Aktuell in der UR

Umsatzsteuerrechtliche Behandlung von Kryptokunst ( Rapp/Bongers/Engelhardt, UR 2021, 493)

Für Kunsthändler und Galeristen könnte sich der Handel mit Kryptokunstgegenständen als neues Geschäftsfeld anbieten. Allerdings geht ein Markteintritt für diese Akteure mit gewissen umsatzsteuerlichen Rechtsunsicherheiten einher. Der vorliegende Beitrag adressiert diese, indem er zunächst die umsatzsteuerrechtliche Behandlung analoger Kunstgegenstände aufzeigt, um auf dieser Basis umsatzsteuerrechtliche Fragen beim Spezialfall des Handels mit Kryptokunst zu diskutieren.


I. Der Handel mit Kryptokunst als neues  Geschäftsfeld

II. Umsatzsteuerrechtliche Behandlung analoger Kunstgegenstände

1. Ausgangsumsätze

a) Steuerbarkeit

b) Steuerfreiheit

c) Bemessungsgrundlage

d) Steuersatz, -entstehung und -schuldnerschaft

2. Eingangsumsätze

III. Umsatzsteuerrechtliche Behandlung digitaler Kunstgegenstände

1. Ausgangsumsätze

a) Steuerbarkeit

b) Bemessungsgrundlage

c) Steuersatz, -entstehung und -schuldnerschaft

2. Eingangsumsätze

IV. Zusammenfassung der Ergebnisse


I. Der Handel mit Kryptokunst als neues Geschäftsfeld

Die Covid-19-Pandemie und die in Reaktion hierauf ergriffenen staatlichen Maßnahmen hinterlassen deutliche Spuren im Geschäftsalltag vieler Branchen. Insbesondere die Kulturwirtschaft, zu der auch der Handel mit Kunstgegenständen zu rechnen ist, leidet schwer unter den Restriktionen. So beklagte der Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (fortan: BVDG) bereits im Juni 2020 Umsatzeinbrüche bei seinen Mitgliedern zwischen 60 und 100 Prozent und forderte vom Staat u.a. weitreichende Unterstützung bei der Digitalisierung der Galerien. Ein neues Geschäftsfeld für deutsche Galerien und Kunsthändler könnte im Zuge der digitalen Transformation der Handel mit Kryptokunstgegenständen sein. Dabei handelt es sich um digitale Kunstwerke, für die mit Hilfe der „distributed ledger“-Technologie Echtheitszertifikate erstellt werden. Diese Echtheitszertifikate – technisch spricht man von „non fungible token“ (fortan: NFT) – dienen der Sicherung und Übertragung von Eigentumsrechten am Kunstwerk. Anwendung findet die „distributed ledger“-Technologie bereits beim Handel mit Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum etc., weswegen sich der analoge Terminus der Kryptokunst für solche digitalen Kunstwerke etabliert hat.

Insbesondere die Versteigerung der Collage „Everydays. The First 5000 Days“ des amerikanischen Digitalkünstlers Beeple beim britischen Auktionshaus Christie’s schlug medial hohe Wellen. Der Zuschlagspreis, der in der Kryptowährung Ethereum gezahlt wurde, war mit umgerechnet knapp 58 Millionen Euro der dritthöchste Auktionspreis aller Zeiten für ein Werk eines lebenden Künstlers. Die Versteigerung eines Kryptokunstgegenstandes in einem renommierten Auktionshaus wie Christie’s stellt jedoch die Ausnahme dar. Die deutliche Mehrheit der Verkäufe findet auf entsprechenden digitalen Marktplätzen wie OpenSea, dem größten Anbieter für den Handel mit NFT, statt.

Derzeit sträubt sich der analoge Kunsthandel oftmals noch gegen diese neuartige Kunstform, jedoch könnte sie sich als fester Bestandteil der Kunstwelt etablieren. Der Eintritt in dieses neue Marktsegment ist für Galerien und Kunsthändler u.a. an die Frage nach der korrekten umsatzsteuerrechtlichen Abbildung von Geschäftsvorfällen im Zusammenhang mit Kryptokunst geknüpft. Während die umsatzsteuerrechtliche Behandlung analoger Kunstgegenstände bereits ausführlich in Rechtsprechung und Schrifttum diskutiert wurde, blieb eine umsatzsteuerrechtliche Würdigung der Kryptokunst bislang aus. Der vorliegende Beitrag nimmt sich dieser Forschungslücke an, indem er zunächst die umsatzsteuerrechtliche Behandlung analoger Kunstgegenstände darstellt (unter II.), um darauf aufbauend eine umsatzsteuerrechtliche Würdigung digitaler Kunstgegenstände vorzunehmen (unter III.). Der Beitrag schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse (unter IV.).

II. Umsatzsteuerrechtliche Behandlung analoger Kunstgegenstände

1. Ausgangsumsätze

a) Steuerbarkeit


Für Kunsthändler und Galeristen stellt sich einerseits die Frage, ob die Weiterveräußerung eines Kunstgegenstandes im Rahmen ihres Geschäftsbetriebs der Umsatzsteuer unterliegt (Ausgangsumsatz), und andererseits, ob die angeschafften Kunstgegenstände der Umsatzsteuer unterliegen (Eingangsumsätze), die womöglich als Vorsteuer nach § 15 Abs. 1 UStG in Abzug gebracht werden darf.

Der Umsatzsteuer unterliegen die Lieferungen und sonstigen Leistungen, die ein Unternehmer (...)



Verlag Dr. Otto Schmidt vom 02.07.2021 10:04
Quelle: Verlag Dr. Otto Schmidt

zurück zur vorherigen Seite